Kunst.
tisoware.EDITION Nr. 17

Tanja Niederfeld: „albzeit“


Eine reduzierte Anmutung von Landschaft – die 1964 geborene und heute in Reutlingen lebende Künstlerin Tanja Niederfeld nimmt uns mit der aktuellen Edition mit auf einen Spaziergang über die Schwäbische Alb. Die künstlerischen Schwerpunkte in ihrem Schaffen sind aktuell Holzschnitt und Malerei, immer wieder – je nach Schaffensphase – unterschiedlich gewichtet. Betitelt ist der im Jahr 2014 entstandene und in leicht pastelligen Tönen gehaltene Holzschnitt „albzeit“. Tanja Niederfeld, die ausgebildete Stahlgraveurin, die heute als Dozentin für großformatiges Malen und als freischaffende Künstlerin arbeitet, lotet hier mit viel Feingefühl die Divergenz zwischen der Kargheit der Schwäbischen Alb und einer delikaten, weichen Farbigkeit der rauen Landschaft aus. Ein fein gezogenes Liniengefüge strukturiert das Bild, Wege und einzelne Hügelketten sind zu erkennen, manchmal nur zu erahnen, ohne sie geografisch genau bestimmen zu können, und geben dem Gesehenen Halt. Niederfeld gestaltet hier mit künstlerisch-graphischen Mitteln einen Seheindruck, den sie nach intensivem Schauen und Erkunden vor Ort gewonnen hat. Sie arbeitet dabei in Serien, um dem Charakter dieser speziellen Landschaft gerecht zu werden und genau das künstlerische Ergebnis zu erhalten, das sie vor ihrem inneren Auge sieht; dies erreicht sie unter anderem auch dadurch, dass sie von Hand abdruckt und dadurch jeder Druck ein unverwechselbares Unikat ist. In unterschiedlichen Farbstellungen, die zu völlig andersartigen Bildgestaltungen führen, kann sie dabei den Farbauftrag von gleichmäßig glatt bis fast reliefartig variieren. In diesem Landschaftsgeflecht finden eigene Gedanken Platz und gleichzeitig bietet Niederfeld mit ihrem Werk so die Möglichkeit, die Grenzen des Bildgefüges zu verlassen und sich dadurch in eine freie Weite zu begeben.

Barbara Krämer, M.A.